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Welche Farbe hat die Hoffnung? Philosophische Texte und Fotos von Dr. Axel Schlote - Ausstellung 1/3

"Die Hoffnung ist eine Hauptquelle unserer Freuden."

Arthur Schopenhauer

Dr. Axelschlote in der Freidenker Galerie, philosophische Texte über Hoffnung Dr. Axel Schlote

Guten Tag,

 

es gibt viel Philosophie, aber wenig Philosophen.

Vorlesungsverzeichnisse und Verlagsprogramme zeigen: Die meisten Lehrer unterrichten weder, was sie gedacht haben, noch wie man denkt, sondern was andere gedacht haben. Das nennen sie Wissenschaft. Ich halte mich an die Mahnung von Arthur Schopenhauer, selber und über die Dinge zu denken.

 

Philosophie ist Einsicht; diese stellt sich nicht als geschlossene Abhandlung ein. Meine Philosophie ist nicht als Fleißarbeit nach einem Plan entstanden, sondern stets zu ihrer Zeit, wann ein Gedanke gereift war. Dafür, daß ich einige hier vorstellen darf, danke ich dem Galeristen Rainer Ostendorf, den ich in unerwarteter Nachbarschaft kennenlernen durfte. Meiner Frau Gina Schlote danke ich für die Fotos und Illustrationen, die das Auge des Lesers entschädigen für manchen Gedanken von mir, der die gewohnte Weltsicht irritieren mag.

 

Dr. Axel Schlote, Osnabrück

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Axel Schlote - Vita

Axel Schlote wurde 1968 geboren. Nach dem Studium der Sozialwissenschaften wurde er 1996 an der Universität Osnabrück zum Dr. phil. promoviert. Beim Südwestfunk in Baden-Baden hat er das Handwerk eines Redakteurs erlernt. Von 1998 bis 2001 war er in Bonn und Berlin Redenschreiber für die Bundesregierung, danach Pressereferent und Redakteur bei einer Bundesbehörde. Seit 2010 ist er frei.

 

Axel Schlote hat verschiedene Bücher veröffentlicht, unter anderem:

1996: Widersprüche sozialer Zeit, Leske und Budrich: Opladen.

2001: Tidemann sucht den Augenblick, Herder Freiburg.

2002: Du liebe Zeit!, Beltz: Weinheim.

2004: Treffsicher texten, Beltz: Weinheim.

2010: Käpt'n Jokas, Edition Petersen: Esens.

2014: Die universale Urkraft und das moralische Genie. Notate und Komplemente (nicht nur) zur Philosophie von Arthur Schopenhauer, Wissenschaftlicher Verlag Berlin.

Im Hamsterrad der Hoffnung - Teil 1/3

Liebesschlösser an der Hasebrücke in Osnabrück Liebesschlösser an der Hasebrücke in Osnabrück

Es ist wohl in den meisten Fällen richtig, daß die Hoffnung zuletzt stirbt, denn sie stirbt dann erst mit dem, der hofft. Daß sie allerdings so hoch bewertet und geschätzt wird, während die Hoffnungslosigkeit bedauert oder gar verurteilt wird, ist bloß die Platitude eines unbegründeten, wenn auch weit verbreiteten Optimismus. Wer von Hoffnung redet, darf über den Egoismus nicht schweigen, denn er ist die Voraussetzung und die Triebfeder jeder Hoffnung.

 

Eine Hoffnung ist stets zweierlei. Zunächst ist sie zwingend auf die Zukunft bezogen. Ich kann nur auf etwas hoffen, das in der Zukunft geschehen möge; das heißt ich kann nur hoffen, was noch nicht ist, aber werden kann. Sofern sich eine Hoffnung ausnahmsweise auf Ereignisse in der Vergangenheit oder Gegenwart richtet, dann nur, solange der Hoffende das Ergebnis nicht kennt, weshalb sich seine Hoffnung eigentlich nur auf die Kunde von dem Ergebnis richtet, welche eben erst in der Zukunft eintreffen kann. Und dann ist das Hoffen unabdingbar an das Wollen gebunden, an den Drang zu sein und wohl zu sein. Die Hoffnung geht immer vom Egoismus aus. Nur wer etwas will, kann darauf hoffen. Wer nichts will, kann auch nicht hoffen, daß es eintritt. Das Hoffen ist allerdings nicht das Wollen selbst, wenngleich Hoffen ohne ein Wollen nicht denkbar ist. Was ist die Hoffnung dann? Die Hoffnung ist die subjektiv berechtigte Erwartung, daß ein Verlangen befriedigt werden kann. Sie muß also nicht objektiv berechtigt sein und ist oft weit davon entfernt.

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Im Hamsterrad der Hoffnung - Teil 2/3

Botanischer Garten Osnabrück, Foto von Dr. Axel Schlote Aufwärtsspirale, Botanischer Garten Osnabrück, Foto von Dr. Axel Schlote

Die Hoffnung ist also ohne das Wollen nicht möglich. Wollen ohne Hoffnung ist dagegen sehr wohl möglich. Ich kann etwas leidenschaftlich wollen, aber gleichzeitig darüber ganz sicher sein, daß es nie eintreten wird, weshalb ich mir alle Hoffnung darauf versage. Diesen Zustand des Gemüts nennen wir Hoffnungslosigkeit oder, wenn sehr heftig, Verzweifelung. Diese weist jedoch keinesfalls darauf hin, daß einer das Wollen eingestellt hat, sondern nur das Hoffen auf die Befriedigung des Verlangens. Dann reden wir davon, daß einer die Hoffnung verloren hat – ohne dabei das Wollen aufzugeben. Hierin zeigt sich die Nähe der Verzweifelung zum Selbstmord.

Ganz im Unterschied davon kann jemand das Hoffen aufgeben, und zwar nicht als bloß intellektuellen Akt in Folge der Erkenntnis, daß die Befriedigung seines Verlangens nicht realisierbar ist, sondern als notwendige Folge davon, daß er das Wollen eingestellt hat. Wenn ich etwas nicht will, dann kann ich auch nicht darauf hoffen, daß es eintritt, weshalb ich dem weiteren Verlauf leidenschaftslos, im Sinne des Wortes, gegenübertrete, das heißt ohne Leidenschaft, ohne Wollen, ohne Verlangen, welches weder enttäuscht noch befriedigt werden kann. Erst in diesem Zustand ist jede Hoffnung ebenso unberechtigt wie die Angst; dieses ist der Zustand der vollendeten Gemütsruhe, der Zufriedenheit, welche weder Angst noch Hoffnung kennt und der jede Verzweifelung fremd ist.

Brücke über das Tief Ostbense, Foto von Dr. Axel Schlote Brücke über das Tief Ostbense, Foto von Dr. Axel Schlote

Diese Ruhe des Gemüts basiert allerdings auf Erkenntnis, nämlich auf der Einsicht, daß alles Wollen, alles Verlangen nichtig ist; wenn auch nicht jedes bestimmte Verlangen vergeblich ist, so doch das Verlangen an sich, das stets nur das Streben nach Aufhebung eines Mangels ist, eines Leidens, welches, wenn aufgehoben, durch einen neuen Mangel gleich ersetzt wird, den aufzuheben man nun fortan anstrebt. Und die dann erneuerte, subjektiv berechtigte Erwartung dazu, daß dieses gelingen kann, ist wieder Hoffnung usw. So lebt der Mensch im Hamsterrad der Hoffnungen, wo, wenn eine untergeht, die nächste auftaucht, und der Mensch hofft, solange er lebt. Die Hoffnung ist das optimistische Wollen, die Verzweifelung das pessimistische Wollen; der Optimismus perpetuiert das Wollen und die Hoffnung ebenso wie das Leiden als Folge davon. Denn hoffen kann nur, wer unter einem Mangel leidet, dessen Aufhebung er herbeisehnt und optimistisch erwartet.

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Im Hamsterrad der Hoffnung - Teil 3/3

leere Flasche, Foto von Dr. Axel Schlote leere Flasche, Foto von Dr. Axel Schlote

Allerdings ist nicht jede Hoffnung von gleicher Art. Durchaus sehen wir Menschen auf eine Weise hoffen, die nicht auf Verlangen beruht. Wir können zwei Arten der Hoffnung unterscheiden. Zunächst die gewöhnliche Hoffnung: Jemand hofft, daß etwas passiert. Ich nenne sie die positive Hoffnung. Jemand kann hoffen, im Lotto zu gewinnen, einen Wettbewerb für sich zu entscheiden oder einen Partner zu finden. Dagegen von ganz anderer Qualität ist die negative Hoffnung: Jemand hofft, daß etwas nicht passiert. Dies ist die subjektiv berechtigte Erwartung, daß ein Mangel, ein Leiden nicht oder wenigstens nicht jetzt eintreten möge. Es ist jedoch noch nicht da. In diesem Fall soll also nichts beseitigt oder aufgehoben werden, sondern diese Art der Hoffnung begleitet einen Zustand relativer Ruhe, relativer Zufriedenheit.

 

Ende

 

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch von Axel Schlote: Die universale Urkraft und das moralische Genie. Notate und Komplemente (nicht nur) zur Philosophie von Arthur Schopenhauer, Wissenschaftlicher Verlag Berlin, 2014.

Dr. Axel Schlote

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